Stellungnahme

Digitaler Hörfunk

Privatradios: Digitalen Hörfunk wettbewerbsneutral einführen

Juni 1993

Vorwort

Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) wurde von den Privathörfunkverbänden aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen 1990 gegründet, um die Belange der Lokalradios zu vertreten. Inzwischen arbeitet die APR auch mit einer Anzahl von Hörfunksendern aus anderen Bundesländern zusammen.

Die Diskussion um die Einführung des digitalen Übertragungsverfahrens für Radioprogramme wird von der APR seit geraumer Zeit mitgestaltet. Die Interessen der von ihr vertretenen Sender sind von Digital Audio Broadcasting (DAB) betroffen. Die Privatradios stehen dieser Innovation aufgeschlossen gegenüber. Sie wollen die Vorteile für die Hörer nutzen. Daher ist die APR Mitglied der nationalen DAB-Plattform. Die APR fördert das Ziel dieses Zusammenschlusses von Veranstaltern - öffentlich-rechtlichen und privaten -, Industrie, Wirtschaft und Telekom, einen Konsens bei der Systemeinführung zu finden. Eine zukunftsweisende Technik, die auch europäisches Know-How fördern soll, darf nicht dem Gezerre einzelner Interessengruppen zum Opfer fallen. Unterschiedliche Interessen vor allem im Hinblick auf die wirtschaftlich risikoreiche Startphase von DAB sind durchaus vorhanden. Diese Schrift will den Standpunkt der Privatradios, insbesondere der lokalen und regionalen Sender, verdeutlichen - und begründen. Zusammengefaßt ist das Ziel der APR: Die DAB-Einführung muß wettbewerbsneutral erfolgen, kein Teil des dualen Rundfunks darf benachteiligt werden, kein Sender wegen DAB zum Aufgeben gezwungen werden. Die jetzigen UKW-Stationen müssen sich auf der Frequenzskala des DAB-Radios wiederfinden.

Die APR sieht, daß die Medienpolitik das Anliegen der Privatradios verstanden hat. Die Ministerpräsidenten haben in ihrem Grundsatzbeschluß vom 25. März 1993 der Technik Hausaufgaben erteilt. Die endgültige Systemeinführung, die auf der Grundlage der Rundfunkhoheit der Länder erfolgen muß, setzt danach voraus, daß die derzeitigen Stationen - auch die lokalen und regionalen Radios - eine Zukunftschance in DAB haben müssen. Denn auch DAB kann nur mit den Hörern der Privatradios Akzeptanz finden. Die Umsetzung dieser allgemein formulierten Vorgaben steht noch aus, der Teufel wird im Detail stecken.

Neue Technik, offene Fragen - Die Privatradios stellen sich der Diskussion.

Die Diskussion um die Einführung des digitalen Hörfunks (Digital Audio Broadcasting - DAB) wird auf vielen Ebenen, meist aber im kleinen Kreis von Experten geführt. Eine rasche Einführung der gegenwärtig bereitstellbaren Technik soll zu einer einheitlichen europäischen Norm führen, die sich auf dem Weltmarkt durchsetzen soll. Die Normen wurden unter starker Beteiligung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks festgeschrieben.

Die Industrie verspricht optimalen Klang, wenn das bisherige analoge UKW-Übertragungsverfahren durch moderne digitale Technik abgelöst wird. Auch in den mobilen Empfängern der Autoradios soll die Musik in CD-Qualität ankommen. Weniger technisch begeisterte Zeitgenossen fragen, ob sich der ganze Aufwand lohnt für Popmusik im Autoradio, deren Genuß ohnehin von Abrollgeräuschen der Winterreifen und dem Tuckern des einen oder anderen Dieselmotors getrübt wird.

Dieser Diskussion stellen sich die privaten Hörfunkveranstalter. Tiefgreifende Veränderungen sind absehbar. Allerdings ist für die betroffenen Radiostationen unklar, welchen konkreten Auswirkungen sie sich gegenüber sehen. Kurioserweise verkehren sich die theoretisch denkbaren Verbesserungen und Kapazitätsausweitungen am Ende der praktischen Frequenzkoordinierung und mühevollen Feinplanungen zu Einschränkungen gegenüber dem bisherigen UKW-Dampfradio.

Es handelt sich nicht um "Zukunftsmusik". Die reguläre "Markteinführung" ist für die Internationale Funkausstellung 1995 in Berlin geplant - also in etwa zwei Jahren. "Feldversuche" stehen unmittelbar vor der Vorbereitung. Und wer an "Feldversuche" in Bildschirmtext oder "Pilotprojekte" im Privatfunk denkt, weiß, daß in diesen Monaten Fakten geschaffen werden. Der Beschluß der ARD-Intendanten, DAB "erst" 1997 zu nutzen ändert daran nichts, denn zugleich werden jetzt Forderungen bei der Frequenzplanung und Bedingungen für das nächste Gutachten zur Finanzsituation der Landesrundfunkanstalten angemeldet.

Von 1995 bis zum Jahr 2010 sollen DAB und UKW parallel in einer "Simulcast-Phase" ausgestrahlt werden, danach soll UKW ersatzlos verschwinden. Mit anderen Worten: Je nach Lizenzdauer der einzelnen Privatfunksender wird am Ende der übernächsten Lizenzdauer das bisherige Übertragungsmedium UKW nicht mehr vorhanden sein.

Derzeit fordern alle Sender - öffentlich-rechtliche und private, landesweite und lokale -, daß DAB die UKW-Sendegebiete zukünftig "abbilden" muß. Die Industrie, die die Normen setzt, kann diese Forderungen mit den jetzigen Plänen nicht erfüllen.

Die gegenwärtigen Sender sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Ob ihre Lizenzen am Ende dieses Jahrzehnts wieder ausgeschrieben werden können, ist völlig unklar. Wenn nicht rasch Klarheit geschaffen wird, ist der medienpolitische Konsens der letzten Jahre gefährdet. Es ist unumgänglich, technische Normen, die kein Selbstzweck sein dürfen, zu überdenken.

Thesen zur Diskussion:

  1. Es droht ein Konkurrenzkampf zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern um verfügbare Frequenzen in dem Fall, daß DAB von der Übertragungskapazität her nicht so leistungsfähig ist wie UKW-Hörfunk. Was nutzt digitaler Klang, wenn der Lieblingssender des Hörers aus dem Frequenzspektrum verschwunden ist? Dabei ist nicht eine theoretisch denkbare Endausbaustufe maßgeblich, sondern die praktischen und finanzierbaren Umsetzungsmöglichkeiten zu Beginn der DAB-Einführung.

  2. Es droht ein nicht mehr einholbarer Wettbewerbsvorsprung, wenn in der Übergangsphase zunächst die öffentlich-rechtlichen Programme sowohl in DAB als auch UKW verbreitet werden, die privaten Sender aber im alten UKW-Hörfunk verbleiben.

  3. Die Normierung der zukünftigen Empfangsgeräte ist noch nicht abgeschlossen. Es besteht die begründete Gefahr, daß noch während der Parallelabstrahlung billige Empfänger, die nur DAB verarbeiten können, auf den Markt geworfen werden, um für den internationalen Markt die entsprechenden Stückzahlen zu produzieren. Damit wird im Inland der Empfang derjenigen Programme, die während einer Übergangszeit nur in UKW, nicht aber schon in DAB verbreitet werden, unterbunden. Sofern es sich um ausschließlich werbefinanzierte Programme handelt, ist ihre Existenz in höchstem Maß gefährdet.

  4. Wenn eine zeitlich gestaffelte Einführung von DAB-Radio durch die privaten Veranstalter überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte, müssen die übrigen Beteiligten von Anfang an klare und unverrückbare Zusagen machen, die den zunächst ausgeschlossenen Stationen ein Zusteigen garantieren. Das bedeutet zum Beispiel, daß bereits jetzt die Endgeräte auf diejenigen Frequenzbereiche abgestimmt sein müssen, die in ein paar Jahren den "Nachzüglern" zugewiesen werden, damit nicht ein gespaltener Gerätemarkt mit unterschiedlichem Reichweitenpotential entsteht.

  5. Lokaler und regionaler Hörfunk ist mit DAB entsprechend den bisherigen technischen Planungen nicht realisierbar. Selbst optimistische Beispielsrechnungen für Nordrhein-Westfalen haben ergeben, daß die Hälfte der bestehenden Lokalsender keine Frequenz für ihr Sendegebiet erhalten können. Wenn die technischen Parameter nicht sofort geändert werden, ist die publizistische Leistungsfähigkeit des dualen Rundfunkmodells technisch untergraben.

  6. Die Umstellung von analogem auf digitalen Sendebetrieb, erst recht eine Parallelabstrahlung, erfordert hohe Kosten. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten stellen entsprechenden Finanzbedarf unter dem Gesichtspunkt der Innovationen bei den Gebührenanmeldungen ein. Die Landesmedienanstalten sind gefordert, für die Privaten entsprechende Kosten der Infrastruktur zu übernehmen. Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Hinblick auf Werbeeinnahmen beim Sendegebietszuschnitt wurden auf die laufenden Sendekosten, nicht aber auf industriepolitisch motivierte Kraftakte der privaten Sender zugeschnitten. Dem ist durch die Medienanstalten Rechnung zu tragen. Entgegenstehende gesetzliche Regelungen sind vor dem Hintergrund der neuen Aufgabe anzupassen.

  7. Während bisher eine UKW-Frequenz ein Radioprogramm transportiert, sind die technischen Parameter von DAB so, daß jeweils sechs Kanäle in einer geänderten Bandbreite Platz haben. Es sind wenige, großflächige Frequenzen vorgesehen. Wenn sich die lokalen und regionalen Sender mit ihrer Forderung nach lokalen DAB-Frequenzen durchsetzen, wird technisch bedingt auch dort jeweils eine Bandbreite für sechs Hörfunkprogramme entstehen. Wirtschaftlich wird jedoch entsprechend den bisherigen Erfahrungen eine Programmvermehrung nicht stattfinden, da dies nicht nur eine Frage verfügbarer Übertragungskapazitäten, sondern in erster Linie der publizistischen Nutzung und der Finanzierung ist. Damit führen die DAB-Systemparameter kurioserweise auf der einen Seite zu nicht nutzbarem Überfluß, während anderswo Übertragungswege fehlen. Bereits jetzt ist absehbar, daß um das Kostenrisiko dieser ungenutzten Übertragungswege im lokalen Bereich Streit entstehen wird. Die Lokalsender sehen jedenfalls keine Veranlassung, Leerlauf in zu groß dimensionierten Systemparametern zu bezahlen.

  8. Das bisherige Lizenzierungsinstrumentarium der Landesmedienanstalten reicht für DAB nicht aus. Es handelt sich bei DAB-Hörfunk um digital übertragene Zahlenreihen, aus denen ein Chip im Endgerät, das mit dem bisherigen Radio allenfalls das äußere Design gemein hat, Töne zusammenbaut. Bei entsprechend abgeänderten Endgeräten ist ebensogut Bildübertragung, Text-Übertragung, oder andere Datenübermittlung möglich. Die bewußt vorgegebenen technischen Parameter sehen vor, daß bis zu einem gewissen Grad derartige zusätzliche Daten neben dem jeweiligen Hörfunkprogramm übertragen werden können.

    Es ist absehbar, daß Rundfunk und Individualkommunikation sich technisch in DAB angleichen. Eine nächste Runde des Bund-Länder-Streites ist vorprogrammiert. Reine Datenübertragung ist rundfunkrechtlich nicht lizenzierungspflichtig. Wo die Grenze zum publizistisch relevanten Medium, das lizenziert und beaufsichtigt werden muß, liegt, ist offen.

  9. Die zuvor skizzierten Datenübertragungsmöglichkeiten neben dem Hörfunkprogramm sind als "Mehrwertdienste" nutzbar. Es handelt sich um Vermarktungsmöglichkeiten unterschiedlicher inhaltlicher Angebote - von Zusatzinformationen zum Programm über zusätzliche Werbung bis hin zu Softwarepaketen für die zukünftige PC-Generation mit DAB-Anschluß. Die Vermarktung solcher zusätzlicher Dienste wird eine wesentliche Einnahmequelle von Hörfunkunternehmen sein. Dies wird den Unternehmenszweck und damit die Unternehmensstruktur und letztlich auch die publizistische Bedeutung derartiger Unternehmen nachhaltig verändern.

  10. Mit der bevorstehenden Einführung von DAB werden auch Fragen aufgeworfen, die mit dieser Technik scheinbar in keinem Zusammenhang stehen. So werden für DAB bestimmte Frequenzbereiche benötigt, deren Sendeanlagen von einzelnen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten seit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg in eigener Regie betrieben werden. Diese Tatsache nehmen die ARD-Sender zum Anlaß, Anspruch auf die Netzträgerschaft von DAB zu erheben. Für den privaten Hörfunk ist es jedoch völlig unannehmbar, künftig Übertragungskapazitäten beim Hauptkonkurrenten einkaufen zu müssen. Die ARD-Landesrundfunkanstalten würden im Zuge der DAB-Einführung eine Machtstellung erhalten, die den ordnungspolitischen Vorstellungen des dualen Rundfunksystems völlig entgegenläuft.

Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) fordert, daß die Entscheidungsabläufe zur DAB-Einführung öffentlicher ablaufen müssen. Die Festlegung technischer Systemparameter hat sich nach der vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen positiven Ordnung des Rundfunks zu richten, das heißt nach inhaltlichen und publizistischen Vorgaben.

Das bisherige Vorgehen birgt die Gefahr in sich, daß bei der Diskussion um Bitraten und Gleichwellennetze versteckte ordnungspolitische Argumentationen dominieren: Die Interessenten definieren technisch ihre Medienordnung an der Medienpolitik vorbei selbst und wehren jeden "Eingriffsversuch" der Medienpolitik mit scheinbar zwingenden Argumenten der Physik ab. Das erinnert an die Diskussion um das Kabelfernsehen, bei dem anfangs der 80er Jahre aus physikalischen Gründen nur zwölf TV-Kanäle möglich waren - bis sich die politischen Vorgaben änderten. Was bekanntlich zu einer wundersamen und schwer nachvollziehbaren Neubewertung physikalischer Vorgänge führte.

DAB Digital Audio Broadcast - Die dritte Generation des Radios. – Oder: Der Einzug des Computers in die Übertragungstechnologie!

Der Empfänger der Zukunft ist ein Computer - im Kleid eines Radios. DAB bringt terrestrisch CD-Qualität für den Hörer, gleichbleibenden, hervorragenden Empfang auch mit mobilen und tragbaren Geräten. Kleinere Antennen ermöglichen besten Empfang.

Durch zwei Innovationen, MUSICAM um COFDM wird es machbar, Programme mit 48 KHz in digitale Signale umzuwandeln (CD-Qualität) und gebündelt sechs Programme auf einem Träger mit einer Bandbreite von 1,2 MHz zu senden. Die Verfahren sehr vereinfacht dargestellt:

MUSICAM: Durch ein psychoakustisches Phänomen wird es möglich, die beim Übersetzen des Ton-Signals in Daten entstehende Datenmenge erheblich zu reduzieren. Stellen Sie sich das etwa so vor: Ein Ton wird auf einer Geige gehalten, Kammerton A, 440 Hz. Töne, die nun etwa daneben liegen, sagen wir 441 Hz, gespielt von einer anderen Geige, werden vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen. Erst ab einem bestimmten Abstand bemerken wir einen zweiten Ton. Diese Eigenart nützt nun MUSICAM und rechnet diese "nicht wahrnehmbaren" Frequenzen heraus und übersetzt sie nicht in Daten. Ähnlich ist es mit den Lautstärken: Laute Töne maskieren leise. Kinderlachen geht unter, wenn ein Flugzeug darüberdonnert. Auch dieses Phänomen läßt sich in einen Algorithmus übersetzen und hilft, durch Weglassen der leisen Töne, die Datenmenge zu reduzieren.

COFDM: Eine Anzahl von Programmen (im europäischen Modell sechs) wird auf einem Träger übertragen. Ein Träger ist in etwa vergleichbar mit unseren jetzigen UKW-Frequenzen. Wenn Sie sich noch an Ihre alten Radios mit Drehknöpfen erinnern, dann hat je nach Radio ein Sender auf der Skala etwa eine halbe Umdrehung am Knopf. Er ist erst schwach, ist dann voll da und wird beim Weiterdrehen wieder schwächer. Die Breite dieses Bereichs nennt man Bandbreite. Bei UKW braucht jedes Programm einen Träger mit einer speziellen Bandbreite. Bei DAB werden durch COFDM sechs Programme auf einem etwas breiteren Träger verschachtelt übertragen. DAB kann dadurch mehr Programme in den verfügbaren Frequenzbändern zur Verfügung stellen.

Die Bündelung von sechs Programmen auf einen Träger (Paket) bei 1,2 MHz Bandbreite bringt eine enorme Erweiterung der Programmübertragungskapazität. In den USA rechnet man mit 2.800 Radiostationen mehr! Für die Bundesrepublik liegen allerdings noch keine Zahlen vor. Man schätzt pro Standort etwa 20 bis 30 Programme auf der Radioskala, die allerdings keine mehr sein wird, sondern ein Tastenfeld. Die Standardisierung dieser Verfahren ist technisch abgeschlossen und es fehlen im Prinzip nur noch die Unterschriften.

Ein weiterer technischer Trick macht es möglich, daß ein Nachteil der UKW-Technologie als Vorteil genutzt werden kann. Während man bei der UKW-Verbreitung darauf achten muß, daß die Sender auf den gleichen Frequenzen weit genug auseinander liegen, kann bei DAB im Einzugsgebiet einer Station mehrfach mit der gleichen Frequenz für deren Programm gearbeitet werden. Im Beispiel: Radio Plassenburg sendet in Kulmbach auf UKW 98,9 MHz. Soll nun ein Füllsender eingesetzt werden, muß eine andere Frequenz genutzt werden. Bei DAB kann die "gleiche" Frequenz zum Einsatz kommen.

Der (Computer-)Empfänger sucht jeweils den stärksten Sender, vergleicht die ankommenden Daten, baut sie entsprechend zusammen oder entscheidet, daß sie nicht ausreichen, um sie in Musik zu übersetzen, und schaltet ab. Das Stichwort lautet "Gleichwellenbetrieb". Diese Technologie wird es ermöglichen, Sendegebiete klar zu umreißen und wirklich voll auszuleuchten, so daß theoretisch nur Sendegebiete koordiniert werden müßten und nicht mehr Sender.

DAB bietet zusätzliche Möglichkeiten für Verkehrsfunk und Datenübertragung. (Verkehrsleitsysteme, Datenübertragung an geschlossene Benutzergruppen).

Durch die Digitalisierung des Signals können zusätzliche Daten übertragen werden. Und zwar weit mehr als beim bisherigen Radio Daten System (RDS). In der Bundesrepublik wird RDS leider nur rudimentär genutzt. RDS wird bei DAB eine weit größere Rolle spielen, als bisher angenommen. Stellen Sie sich vor, Sie können auf dem Display des (Computer-)Empfängers den Sponsor der Sendung nennen, laufend Fußballergebnisse übertragen oder Liedertexte, Namen von Moderatoren etc. mitteilen. Weitergedacht könnte am Gerät ein Mini-LCD Bildschirm angeschlossen sein, der ganze Straßenkarten (Verkehrsleitsysteme), Wetterkarten oder Werbesignets darstellt.

DAB könnte die Verbreitungskosten reduzieren. Grundsätzlich wird DAB mit weit niedrigerer Leistung bei gleicher Ausbreitung gefahren als herkömmliches UKW-Radio. Die gängigen Sender werden eine Leistung von etwa einem KW aufweisen und damit die starken Sender ablösen.

In München läuft bereits ein großflächiger Feldversuch auf K 11 mit drei Sendeorten. Die Aufgabenstellung sei hier nur kurz angerissen: Es soll Erfahrung mit den Modulationszubringern von COFDM Signalen gewonnen werden. Die Antennenpolarisation ist auszutesten, sowie das Verhalten eines Sendernetzes, wenn einzelne Sender abgeschaltet werden. Ein weiterer Feldversuch wird im Rheingraben unter Mitarbeit französischer und schweizerischer Institutionen vorbereitet. In den Gremien wird allerorten auf Hochtouren gearbeitet.

Blöcke statt Frequenzen: Neue Spielregeln beim Frequenz-Puzzle.

Das Rundfunksystem der Zukunft unterscheidet sich technisch grundlegend vom jetzigen UKW-Hörfunk. Digitale Empfänger werden die jetzigen UKW-Signale nicht verarbeiten können. Daher will man DAB und UKW zunächst parallel betreiben, um dann nach dieser sogenannten Simulcast-Phase ganz auf DAB umzuschalten. Für diese Simulcast-Phase ergeben sich Frequenzprobleme:

Bei DAB reden wir nicht mehr von Frequenzen für einzelne Stationen, sondern von einem Block, in dem nach der derzeitigen Planung sechs Programme gleichzeitig - digital ineinander verschachtelt - übertragen werden. Auch die DAB-Blöcke nutzen bestimmte Frequenzbereiche, jedoch mit einer größeren Bandbreite, nämlich 1,75 MHz statt 250 KHz im bisherigen UKW-Verfahren.

Ähnlich wie bei einer einzelnen UKW-Frequenz können sich Blöcke mit unterschiedlichen Inhalten nicht in benachbarten Sendegebieten im gleichen Übertragungsbereich gegenüberstehen. Füllsender können im Sendegebiet einzelner Blöcke jedoch im selben Frequenzbereich mit identischem Programminhalt betrieben werden, da es sich um einen Gleichwellenbetrieb handelt - die Übertragungswellen sind immer gleich, die Information wird nicht durch eine Veränderung der Wellen übertragen.

Beispiel: Werden sechs bestimmte Programme in einem Block A im Frequenzbereich für Bayern ausgestrahlt, können Füllsender innerhalb Bayerns diese Programme ebenfalls im Block A übertragen. Im angrenzenden Baden-Württemberg können jedoch sechs andere Programme nicht in Block A übertragen werden, es bedarf eines Blocks B in einem abweichenden Frequenzbereich. Block A kann erst nach einem Mindestabstand, wie wir ihn von den UKW-Frequenzen her kennen, wieder verwendet werden.

Für DAB-Hörfunk sind die TV-Kanäle 12 sowie 3 und 4 in der Diskussion. Kanal 12 (223 bis 230 MHz) enthält vier Blöcke. Auf ihm wird derzeit Fernsehen verbreitet. Es erscheint realisierbar, die TV-Programme zugunsten von DAB zu verlegen. Probleme gibt es jedoch in den Grenzbereichen zu Polen und der Tschechei. Die Kosten für die Verlegung der TV-Programme belaufen sich auf mehrere Millionen Mark, auch die TV-Füllsender sind zu berücksichtigen.

Bei den Kanälen 3 und 4 werden momentan zwei Varianten diskutiert. DAB braucht für die Simulcast-Phase zwei Blöcke in diesen Kanälen. Entweder zwei Blöcke im Kanal 3 oder jeweils einen Block im Kanal 3 und 4. Dieses Frequenzspektrum ist für DAB nicht sonderlich gut geeignet, da die physikalischen Bedingungen hier schlechter sind als in anderen Frequenzbereichen. Erfahrungswerte liegen noch nicht vor, es muß aber mit Störungen durch Überreichweiten einstrahlender Sender gerechnet werden.

In einigen europäischen Ländern wird als Alternative für den Start von DAB der Bereich von 230 bis 240 MHz diskutiert, also die Frequenz oberhalb des TV-Kanals 12. In der Bundesrepublik Deutschland scheidet jedoch die Nutzung aus, da der Frequenzbereich vom Militär belegt ist. Eine frequenzpolitische Friedensdividende ist nicht in Sicht.

Als Option ist das L-Band, auch 1,5 GHz-Bereich (1452-1492 MHz) genannt, im Gespräch. Dieser Frequenzbereich wurde durch WARC ’92 weltweit mit Ausnahme USA und Mexiko für den terrestrischen und den Satellitenrundfunk freigegeben. In Deutschland wird dieser Bereich ebenfalls militärisch genutzt und ist durch die WARC ’92 bis ins Jahr 2007 entsprechend festgeschrieben. Frankreich möchte jedoch schon 1995 anstelle des Kanals 12 in diesem Bereich DAB ausstrahlen. Die physikalischen Verbreitungsbedingungen elektromagnetischer Wellen in diesem Frequenzbereich bedürfen einer erheblich stärkeren Sendeleistung, um eine gleiche geographische Reichweite zu haben, wie etwa im Kanal 12. Der DAB-Betrieb könnte daher aller Voraussicht nach etwa zehn Mal so teuer werden als die bisherige UKW-Übertragung, da im Gleichwellenbetrieb erheblich mehr Sender eingesetzt werden müßten. Auch hierzu liegen noch keine Erfahrungen vor.

Der bisherige UKW-Bereich von 87,5 bis 108 MHz soll nach der ursprünglichen Planung ab 2010 schrittweise für DAB geöffnet werde. Statt der analogen Übertragung würde dann im neuen Sendeformat im bisher genutzten Frequenzbereich Hörfunk betrieben werden. Würde das gesamte bisherige UKW-Spektrum für DAB genutzt werden, könnten weit mehr Programme als bisher übertragen werden. Erst dann würde der Vorteil der DAB-Technik genutzt werden können.

Das Koordinierungsverfahren für die einzelnen Frequenzbereiche ist aufgrund ihrer begrenzten Anzahl und der unterschiedlichen Interessenlage sehr schwierig, die Räumung einzelner Frequenzbereiche relativ teuer. Neben den Rundfunkveranstaltern fragen andere Nutzer - etwa der Mobilfunk oder die Satellitenkommunikation - nach Frequenzen.

Für flächendeckenden DAB-Einsatz in der Simulcast-Phase werden bundesweit vier bis sechs Blöcke benötigt, wenn jedes Bundesland auch nur jeweils einen Block für sechs landesweite Programme erhalten soll. Ein geschicktes Plazieren der einzelnen Blöcke in einer Art Frequenz-Puzzle führt dazu, daß an bestimmten Standorten einzelne Blöcke für Lokalfunk benutzt werden können, sofern sie den erforderlichen geographischen Mindestabstand zur Nutzung des selben Blocks für andere Programminhalte in anderen Gebieten wahren.

In ganz Sachsen wäre nach einem solchen Frequenz-Puzzle nur ein einziger Standort für Lokalsender in Leipzig möglich. In Nordrhein-Westfalen wären mindestens die Hälfte der Lokalsender nicht in DAB vertreten, in Baden-Württemberg und Bayern sähe es nicht besser aus.

Erschwerend kommt hinzu: Dieses Frequenz-Puzzle funktioniert nur, wenn sich die Block-Sendegebiete mit den Grenzen der Bundesländer decken. Wenn die bestehenden UKW-Überreichweiten - zum Teil erheblich über die Ländergrenzen hinaus - entsprechend den Veranstalterwünschen nachgebildet werden sollen, gäbe es nur noch sehr bedingt Möglichkeiten, regionale und lokale Programme in der Simulcast-Phase in DAB zu senden.

Die Endgeräte-Industrie braucht für die Entwicklung ihrer Empfänger klare Vorgaben über die Frequenzbereiche, in denen DAB gesendet wird. Es wäre sehr kostspielig und wirtschaftlich nicht durchsetzbar, alle denkbaren Frequenzmöglichkeiten in die einzelnen Geräte auf Vorrat einzubauen. Würde beispielsweise der Frequenzbereich von 230-240 MHz von den Militärs geräumt und der zivilen DAB-Nutzung übergeben, müßte dies für die Geräteindustrie rasch erkennbar sein. Es dauert nämlich Monate, bis die entsprechenden Empfänger dafür auf den Markt kommen können. Werden beispielsweise die Blöcke für die lokalen Programme in neuen Frequenzbereichen übertragen, die nach späterer Koordination zur Verfügung gestellt werden, gibt es dafür zunächst keine Empfangsgeräte. Danach wird ein gespaltener Markt vorhanden sein: Ältere, aber noch auf Jahre funktionstüchtige Geräte werden die entsprechenden Programme nicht empfangen können - die Situation wird vergleichbar sein mit dem Frequenzbereich zwischen 104 und 108 MHz beim UKW-Hörfunk.

Alternative-USA: In-Band, On-Channel FM Digital Audio Broadcast System (FM-DAB)

Im Gegensatz zu den deutschen Plänen der DAB-Versorgung in den unterschiedlichen Kanälen 3, 4 und 12, deren Koordinierung und Nutzung sich zum jetzigen Zeitpunkt als äußerst schwierig gestaltet, geht man in den USA einfachere Wege:

Auch dort wollen sich die privaten Hörfunkanbieter an der künftigen digitalen Ausstrahlung ihrer Programme beteiligen. Allerdings soll die derzeitige, bewährte technische Infrastruktur (Sender-, Antennenanlagen) bestehen bleiben. So können auch auf der Basis von Eureka 147, dem in Europa entwickelten DAB-System, die gewachsenen Hörerbindungen, Kommunikationsräume und Werbemärkte unangetastet bleiben. Als Frequenz-Bereich wird in den USA also auch zukünftig das UKW-Band genutzt.

Das "DAB-In-Band-Verfahren" wird somit auf die FM-Träger "aufgesetzt". Bereits 1989 erkannten die amerikanischen Rundfunkbetreiber die Tragweite des terrestrischen DAB. Relativ schnell - bereits auf der Fachmesse NAB 1991 in San Francisco - wurde das In-Band, On-Channel FM Digital Audio Broadcast System (FM-DAB) unter reger Anteilnahme der Fachwelt vorgestellt.

Jetzt, 1993 auf der 47. Broadcast Engineering Conference wurde in Zusammenarbeit mit der NAB in Las Vegas von der Praxisnähe des Systems berichtet. USA Digital Radio - eines der führenden amerikanischen Entwicklungsinstitute - hat ein DAB-FM-Projekt entwickelt. Das System wurde auf die Auskoppelung des digitalen Audio-Signals, Interferenzfestigkeit auf Überlagerung von FM-DAB-Signalen und die Minimierung oder Eliminierung von Reflektionsstörungen getestet. Die Tests waren im terrestrischen Sendebetrieb mit Standard-UKW-Rundfunksignalen in Los Angeles, Illinois, New Orleans, Louisiana und Urbana erfolgreich. Dr. Bill J. Hunsinger, Electronic Decisions Inc., Urbana (Illinois), der über die Tests und die Ergebnisse referierte, unterstrich zusammenfassend die Vorteile von DAB-FM für die Betreiber. Das System sei praxistauglich.

Kostengünstiger als die zur Zeit bei uns diskutierte DAB-Variante ist es allemal. "Räumungskosten" für die bisher vom Fernsehen genutzten Kanäle in - wie die ARD-Intendanten auf ihrer Sitzung vom 4. Mai 1993 es formulierten - "unkalkulierbarer Höhe", entfielen. Das gilt auch für Investitionen des Netzträgers, nach deren Höhe sich die Gebühren für die Sender richten. Das "In-Band, On-Channel FM Digital Audio Broadcast System" ist eine DAB-Variante, die auch bei den europäischen Überlegungen berücksichtigt werden muß. Der Hörer käme in den Genuß des digitalen Klangs, ohne daß die Kommunikationsräume völlig neu zugeschnitten werden müßten. Diejenigen Radiostationen, die schon heute UKW-Sender nutzen, könnten ihr Signal mit DAB-FM aufrüsten, müßten aber nicht zuvor die Frequenz aufgeben. Die Änderung der Technik in den USA wird unter der Prämisse betrieben, daß kein Sender wegen der Umrüstung aufgeben muß. Diese Art des Vorgehens ist wettbewerbsneutral und damit auch für uns ein Vorbild.

Keine erfolgreiche DAB-Einführung ohne die privaten Radios.

In weniger als einem Jahrzehnt haben die Privatradios knapp 40 Prozent der Hörer für sich gewinnen können. Eine Technik, die an diesem Sachverhalt vorbei eingeführt wird, kann wirtschaftlich nicht erfolgreich sein. Ihr fehlt die "Akzeptanz". Aus Sicht der Hörer ist - völlig zu Recht - die Technik kein Selbstzweck, sondern Mittel, ein inhaltlich gutes Radioprogramm zu hören. Selbst die besten Marketingstrategen werden es nicht schaffen, dem Kunden ein Gerät teuer zu verkaufen, das zwar digital ist, aber den Lieblingssender nicht mehr empfängt. Die Industrie wäre schlecht beraten, DAB an 40 Prozent der potentiellen Kundschaft vorbei einzuführen. Aus eigenem Interesse müssen die Endgerätehersteller die Empfänger so konstruieren, daß auch bei kurzfristiger Freigabe neuer Frequenzbereiche für die DAB-Übertragung kein gespaltener Gerätemarkt entsteht. Auch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz zum privaten Hörfunk wird aus eigenem Interesse keine Gebührengelder in Millionenhöhe in eine Übertragungstechnik stecken, die nur für knapp die Hälfte der Hörer attraktiv ist. Ein Konsens bei der DAB-Einführung ist also nicht nur medien- und ordnungspolitisch wünschenswert sondern auch wirtschaftlich notwendig.

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Die Höreranteile, auf die hier Bezug genommen wurde, ergeben sich aus der Media Analyse (MA 92). Die Werte der alten Bundesländer sind zu Grunde gelegt, da zum Erhebungszeitraum in den meisten neuen Ländern noch keine Privatradios auf Sendung waren. Die Marktanteile der Privaten werden übrigens regelmäßig mit einem Programm erreicht, das mit mehreren Programmen der Landesrundfunkanstalten konkurriert. Weitere Privatradios kommen hinzu, die bestehenden gewinnen neue Hörer. So haben die privaten Radios alleine von 1991 auf 1992 sieben Prozentpunkte in den alten Bundesländern zugelegt.

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Das Gleichgewicht des dualen Systems in der Hörergunst pendelt sich also ein. Das hat die Einführung einer neuen Technik zu beachten.

(Quellen: MA 91, MA 92)