Stellungnahme

Navigatoren und EPGs

Navigatoren und EPGs: Lokale und regionale Angebote müssen auffindbar bleiben

Die APR begrüßt die Aktivitäten der Gemeinsamen Stelle digitaler Zugang der Landesmedienanstalten zur Fortentwicklung der Rahmenbedingungen für die Auffindbarkeit von Radio, Fernsehen und Telemedien bei digitalen Angeboten. Für die Anbieter elektronischer Medieninhalte ist es wesentlich, dass Dritte sie nicht hindern, den Rezipienten zu erreichen. Aus Sicht des Rezipienten ist eine Bevormundung durch Dritte auszuschließen. Und aus Sicht der Landesmedienanstalten ist zu gewährleisten, dass die vielfältigen Programmangebote beim Einzelnen auch tatsächlich als Angebotsvielfalt mit der Möglichkeit der Auswahl erscheinen.

Die APR ist in Sorge, dass die Diskussion um die Navigatoren oder elektronischen Programmführer in allererster Linie aus der Perspektive des nationalen Fernsehens geführt wird. Die Belange des vorwiegend lokal und regional verankerten Radios bleibt außen vor. Da die Vielfalt, die § 53 RStV gewährleistet wissen will, auch eine lokale und regionale Vielfalt ist, dürfen derartige elektronische Angebote (Radio, Fernsehen oder Telemedien) in der Navigation nicht unter "ferner liefen" oder als Unterpunkt von "Genres" verdrängt werden.

  • Eine Sortierung von frei empfänglichen Programmen nach gemessener Quote (MA-Reichweite) benachteiligt lokale und regionale Angebote. Am Beispiel von Radio Lippe Welle Hamm wird dies deutlich: Der Veranstalter hat im eigenen Sendegebiet einen beachtlichen Marktanteil von 46 Prozent und müsste nach dem Kriterium der Akzeptanz beim Publikum an erster Stelle aller Sender erscheinen. Wenn aber nicht auf den eigentlich aus Sicht des Rezipienten maßgeblichen Markt abgestellt wird, sondern auf bundesweite Marktanteile, findet sich das Lokalradio aus Hamm am unteren Ende der Skala. Das gleiche würde sich zukünftig bei lokalen und regionalen Telemedien oder dem Lokal-TV ergeben.

  • Lokale und regionale Angebote sind kein "Genre" wie "irische Folklore" oder "Italo-Western". Mit "Genre" ist ein Spartenangebot gemeint. Lokale und regionale Angebote verstehen sich indes als Vollprogramme mit einem regionalen Bezug. Die Einordnung lokaler Programme in "Genres", wie dies von bundesweiten TV-Anstalten und -Veranstaltern vorgeschlagen wird, ist sinnwidrig.

Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion und der Aufforderung der Landesmedienanstalten, sich zu ihrem Diskussionspapier zu äußern, nimmt die APR Stellung:

  1. Der Rezipient muss Zugang zu einem neutralen Navigator haben. Ihm darf mit dem Erwerb eines Endgeräts kein proprietärer, einzelne Programmangebote diskriminierender Navigator aufgedrängt werden. Daneben wird es "elektronische Programmzeitschriften" von Inhalteanbietern, von Hardwareherstellern, von Vermarktern wie etwa Mobilfunkunternehmen oder auch von unabhängigen Dritten geben. Bei der Auslieferung von Geräten darf ein derartiges proprietäres Angebot nicht voreingestellt sein. Ob ein Nutzer solche Angebote als Standardeinstellung wählt, ist ihm überlassen; eine einfache Rückkehr zur neutralen Navigation ist auch in diesen Fällen zu gewährleisten.

  2. Die Navigatoren dürfen keinen Anbieter diskriminieren. Sie sind werbefrei und ohne Bewertung von Programminhalten auszugestalten.

  3. Die bisherigen Vorschläge zu Navigatoren sind unzureichend, wenn auf der obersten Ebene das Fernsehen als Ausgangspunkt genommen wird, Radio und Telemedien als andere Gattungen erst nach weiteren Schritten auffindbar sind. Entweder ist die oberste Ebene beim Einschalten die Auswahl nach den Gattungen, also "Radio'", "Fernsehen" und "Telemedien". Oder man akzeptiert die Konvergenz der Medien und führt die einzelnen Gattungen mit ihren Angeboten gleichgewichtig nebeneinander auf. Wer sich für "Lokales/Regionales" interessiert, kann dann in diesem Menüpunkt auswählen, ob er lokale Informationen im Radio hören, ein lokales TV-Angebot sehen will oder lokale Telemedien konsumieren möchte. Wenn unterschiedliche Angebote auf einem einheitlichen Endgerät miteinander konkurrieren und im Sinne der Konvergenz (Stichwort: "Visual Radio") Elemente der jeweils anderen Gattung annehmen, kann dies die Navigation nicht unberücksichtigt lassen. Die bisherigen Vorschläge sind zu sehr von TV-Anbietern dominiert, die mit der besonderen Hervorhebung ihrer Mediengattung einen Vorteil im Wettbewerb der Gattungen untereinander erreichen wollen.

  4. Auf der obersten Ebene der Navigation ist neben "Free", "Bouquets", "Pay" etc. auch eine Rubrik "Lokales/Regionales" aufzunehmen. Nur so kann erreicht werden, dass lokale und regionale Informationsangebote entsprechend ihrer Bedeutung für die Meinungsvielfalt und entsprechend der Erwartungshaltung der Rezipienten auffindbar sind. Man kann die Situation mit einem örtlichen Zeitungskiosk vergleichen: Dort findet sich in der Auslage an oberster Stelle das lokale Blatt. Die bisherigen Vorschläge für Navigatoren laufen in dem gewählte Bild darauf hinaus, bundesweite Angebote nach oben in die Auslage zu bringen und das Lokalblatt ganz unten unter einem Stapel von Special-Interest-Titeln zu begraben.

  5. Innerhalb des Hauptmenüs "Lokales/Regionales" ist nach einzelnen Regionen zu sortieren. Die bisher bekannt gewordenen Vorschläge für Navigatoren gehen darüber hinweg, obwohl die sich zum Beispiel im Internet marktkonform entwickelnden Suchkriterien gerade dies entsprechend den Wünschen der Rezipienten anbieten. Dort wird nach geografischen Gebieten oder schlicht nach Postleitzahlen gegliedert. Nur eine derartige geografische Aufteilung wird dem Informationsinteresse des suchenden Rezipienten gerecht, der wissen möchte, welche örtlichen Informationen für seinem Ort angeboten werden. Eine nach MA-Reichweiten sortierte Liste aller in einem Bundesland oder sogar bundesweit empfangenen Lokalradios nützt dem Rezipienten an dieser Stelle nichts.

  6. Lokale und regionale Inhalte sind in Auflistungen aller Angebote - etwa alphabetisch oder nach anderen Kriterien - zu berücksichtigen. Solange und soweit lokale und regionale Informationen mit einem eigenen Punkt im Hauptmenü auffindbar sind, kann bei derartigen zusätzlichen Sortierungen hingenommen werden, wenn Kriterien angewendet werden, die lokale und regionale Programme diskriminieren.

  7. Der ARD-Vorschlag, im Radio bei der Aufzählung aller frei empfangbaren Programme zunächst "ARD" mit 64 Angeboten zu listen und dann die privaten Anbieter, ist abzulehnen. Der Vorschlag wird der Ernsthaftigkeit der zu führenden Diskussion nicht gerecht. Auf dem gleichen Niveau ließe sich entgegnen, dass im Alphabet "APR" vor "ARD" kommt und die eigenen 200 Verbandsmitglieder zunächst einmal vor den 64 öffentlich-rechtlichen Programmen anzuführen seien. In einer ernsthaften Diskussion sollten öffentlich-rechtlicher und privater Hörfunk gemeinsam dafür sorgen, dass die Gattung Radio ihrem Stellenwert als erfolgreicher Tagesbegleiter entsprechend bei der Gestaltung von Navigatoren berücksichtigt wird.