Stellungnahme

Powerline-Technologie verhindert Empfang von Radio und Fernsehen

Schreiben von APR und VPRT an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit sowie die Initiative Digitaler Rundfunk der Bundesregierung

4. Oktober 2005

Die Verbände des privaten Rundfunks engagieren sich bei der Digitalisierung der Übertragung von Hörfunk und Fernsehen. VPRT und APR arbeiten seit langen Jahren in den Gremien des BMWA und der Länder mit, um diesen Bereich zum Markterrfolg zu führen. Mit großer Sorge sehen die Verbände, dass die Technologie "Powerline" in einer Art und Weise gefördert wird, die geeignet ist, Bemühungen um die Digitalisierung der terrestrischen Rundfunkübertragung zu konterkarieren.

Mit Powerline (PLC) können Stromleitungen für die Übertragung von Datensignalen wie etwa Internet-Angebote genutzt werden. Schlaglichtartig wird von "Internet aus der Steckdose" gesprochen. Die Idee ist im Ansatz richtig und bietet die Möglichkeit von Wettbewerb in diesem Teilsegment. Allerdings verursachen die derzeit bekannten Technologien eine derart hohe Störstrahlung, dass bereits jetzt die analogen terrestrischen Rundfunkangebote der Lang-, Mittel- und Kurzwelle erheblich eingeschränkt bzw. unmöglich gemacht werden.

Aktuelle Untersuchungen zeigen nun zusätzlich, dass auch der Empfang von analogen und digitalen terrestrischen Rundfunkangeboten in bestimmten Frequenzbereichen nicht mehr möglich ist, wenn in der unmittelbaren Nähe der Empfangsgeräte die Powerline-Technologie eingesetzt wird. Eine Untersuchung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) vom Mai 2005 belegt, dass der Rundfunkempfang in Wohnräumen, die zugleich mit Powerline versorgt werden, nicht mehr möglich ist, wenn sich die Höchstgrenze der erlaubten Störstrahlungen für Powerline nach der Norm EN 55022 bestimmen. Nur noch Wohnanlagen, die in unmittelbarer Nähe von sehr starken terrestrischen Sendeanlagen für die Verbreitung von digitalem Radio und Fernsehen liegen, könnten diese Signale empfangen. Die Versorgungsberechnungen ab 230 MHz, wie sie den Bedarfsanmeldungen der Bundesrepublik Deutschland bei der Genfer Konferenz RRC 05 zu Grunde liegen, sind obsolet, wenn im gleichen Gebiet Powerline betrieben wird. Die nach den bisherigen Berechnungen in der Fläche erreichbare Versorgungen mit digitalem Radio und Fernsehen würden auf reine Insellösungen zusammenschrumpfen, wenn Powerline mit den derzeit diskutierten Störwerten betrieben würde. Die terrestrische digitale Rundfunkversorgung, die zu Recht hohe Priorität im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit genießt, könnte nur mit einem derart exorbitanten Aufwand - wenn überhaupt - betrieben werden, dass dies wirtschaftlich nicht in Frage kommt.

APR und VPRT sind daher der festen Überzeugung, dass die Norm EN 55022 nicht für die Berechnung der Störstrahlung für Powerline herangezogen werden darf, sondern sehr viel niedrigere Grenzwerte definiert werden müssen.

Wir bitten Sie, sowohl in der Diskussion in Deutschland als auch innerhalb der Europäischen Union auf die Probleme hinzuweisen. Gerne stehen wir für vertiefende Gespräche zur Verfügung. In diesem Fall wäre es sicherlich sinnvoll, auch die Betroffenen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und das IRT in derartige Gespräche einzubinden. Wir tragen keine spezifischen Probleme des privaten Rundfunks vor, sondern einen Sachverhalt, der alle Rundfunkanbieter und zukünftig auch die Anbieter von Mediendiensten erheblich beeinträchtigen wird.