Stellungnahme

Quote für Musik aus Deutschland?»

Stellungnahme zur Bundestagsanhörung «Eine Quote für Musik aus Deutschland?»

13. September 2004

Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) vertritt private Hörfunkveranstalter, im Schwerpunkt lokale und regionale Unternehmen. Dem Verband gehören - mittelbar über Landesverbände - insgesamt rund 200 Unternehmen an. Für deren Arbeit ist die Diskussion um eine Musikquote von allerhöchster Relevanz.

Die APR schließt sich der Stellungnahme des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V. VPRT vom 2. September 2004 an. Zu Recht hebt der Kollegenverband die wirtschaftlichen und kulturellen Nachteile für die elektronischen Medien als auch für die Künstler hervor. Angesichts der empirisch nachgewiesenen Wünsche der Radiohörer muss eine Quote wirkungslos bleiben, zumal wenn andere, den staatlichen Vorgaben nicht unterliegende Formen der Musiknutzung konkurrieren - der derzeit sehr erfolgreiche MP3-Player iPod“ von Apple sei erwähnt.

Während sich also Radioanbieter und Künstler einem festgefügten Publikumsgeschmack gegenübersehen, wäre es Aufgabe der Musikindustrie, neue Genres mit deutschen und deutschsprachigen Künstlern auf einem mit der internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähigen Niveau langfristig zu entwickeln. Das Gegenteil findet indes statt, im Zuge der Konzentration auf internationale und damit englischsprachige (noch nicht einmal romanischsprachige Angebote) Titel werden hiesige Künstler geradezu ausgebootet. Eine Investition der Musikindustrie in die Grundlagen des eigenen Markterfolges findet nicht statt. Eine Quote kann dies nicht ersetzen.

Diese Erfahrung machen vor allem lokale und regionale Hörfunkanbieter. Sie suchen den Kontakt zu örtlichen Künstlern. Dies findet im Programm statt, in sehr viel stärkerem Maße aber auch Off-Air, also auf Veranstaltungen. Eine gute regional bekannte Gruppe spricht im lokalen Bereich bei einem Off-Air-Event“ das örtliche Publikum an, die Künstler haben die Gelegenheit sich vorzustellen und - der eigennützige Hinweis sei erlaubt - für kleine Radiostationen ist die Gage in dieser Größenordnung bezahlbar, erfolgreiche, gar internationale Künstler könnten auf dieser Ebene gar nicht engagiert werden. Die Programmveranstalter haben also ein Eigeninteresse an einer inländischen Künstlerszene.

Die Erfahrung ist aber, dass selbst dann, wenn in Kooperation mit dem Radioanbieter die Künstler in ihrer Region eine gewisse Bekanntheit erlangen und qualitativ Erfahrung gesammelt haben, es ihnen nicht gelingt, bei der Tonträgerindustrie Fuß zu fassen. Sie sind darauf zurückgeworfen, als hauptsächliches Marketinginstrument den Verkauf von CDs vom Bühnenrand zu nutzen. Hier wäre es Aufgabe der Tonträgerindustrie, die verstärkt deutschsprachige und in Deutschland produzierte Musik verkaufen möchte, dem entsprechenden Nachwuchs auch eine Chance zu geben. Die Radioveranstalter stünden bereit, im Interesse aller Beteiligten Kooperationsformen einzugehen. Die Tonträgerindustrie zieht sich hingegen auf ein risikoloses Geschäft mit internationalen Stars zurück.

Eine Quote kann hier nicht Abhilfe schaffen.