SARS-CoV-2

Hygienemaßnahmen im Betrieb

Radio TOP FM hat Hand angelegt

Bericht von einem Webinar der APR.

30. Juni 2020

Abstand von mindestens 1,5 Metern oder einen Mundschutz sowie ausreichend Luftzirkulation beziehungsweise eine normgerechte Klimaanlage - das sind die allseits bekannten und eben auch wirkungsvollsten Maßnahmen, um sich gegen SARS-CoV-2 und eine Ansteckung mit Covid zu schützen. Das ist sehr zusammengefasst das Ergebnis eines Webinars der APR mit Dr. med. Andreas Uekötter, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Antibiotic-Stewardship-Experte (DGI), MVZ Labor Münster.

Sinnvollerweise dokumentieren Unternehmen ihre Maßnahmen und Anweisungen in einem Hygienekonzept. Es obliegt der individuellen Entscheidung des jeweiligen örtlich zuständigen Gesundheitsamtes, ob Maßnahmen gegen das Unternehmen ergriffen werden wie etwa eine Betriebsschließung, wenn sich herausstellt, dass eine Übertragung am Arbeitsplatz stattgefunden hat. Allgemein gültige Aussagen hierüber können nicht getroffen werden. Und es sollte auch nicht auf dem Papier stehen, wie man sich schützt, sondern das sollte auch eingehalten werden - vielleicht nicht alle gemeinsam vor einem Computer die Köpfe zusammenstecken.

Vieles weiß man über den Erreger SARS-CoV-2 noch nicht. Daher sind die Vorsichtsmaßnahmen unspezifisch, aber im Hinblick auf andere Viren wie etwa die Grippeerreger nicht wirklich neu.

  • Umluft im Raum durch Ventilatoren in der heißen Jahreszeit ist problematisch, wenn Fenster und Türen zu bleiben. Es sollte also in diesem Fall ein Austausch der Luft möglich sein, gegebenenfalls durch ein Stoßlüften für ein paar Minuten.

  • Klimaanlagen sollten nicht im Eigenbau mit Teilen aus dem Baumarkt zusammengeschraubt werden. Normentsprechend und mit Feinstaubfiltern ausgestattet, spricht nichts gegen die Verwendung. 2018 wurden die Normen geändert, was den Vergleich von einzelnen Modellen schwierig macht. Die älteren sind nicht unbedingt problematischer. Empfohlen wird ein Wechsel der Filter - und zwar vom Fachmann, denn wenn sich dort Dreck und Krankheitserreger sammeln, sollte das beim Wechsel nicht unbedingt freigesetzt werden.

  • In Räumen, in denen nur schwierig gelüftet werden kann wie etwa Studios ohne Klima sollte zwischen der Nutzung durch unterschiedliche Mitarbeiter für einen Austausch der Luft gesorgt werden, damit dort schwebende Partikel niemanden gefährden.

  • Besucher sollte man auf kleinere Gruppen beschränken, was sich wiederum an der Größe des besuchten Studios bemisst, um Abstandsregeln einhalten zu können. Mund-Nase-Schutz sollte vorgeschrieben werden und die Besucher sollten die Hände reinigen und nicht den Dreck von draußen mitbringen - das muss nicht zwingend Desinfektionsmittel sein, die gründliche Reinigung mit Seife genügt.

  • Die Forschung ist noch relativ unsicher, was tatsächlich eine Risikogruppe ist. Eine Schwangerschaft an sich ist kein Risiko nach dem aktuellen Erkenntnisstand. Alter definiert das Risiko ebenso wie Vorerkrankungen an der Lunge, das aber nicht in jedem Fall.

  • Wird jemand positiv getestet ist das Labor verpflichtet, das rasch an das Gesundheitsamt zu melden und zwar mit Namen. Das Gesundheitsamt wird sich dann mit dem Betroffenen in Verbindung setzen, ihm Verhaltensregeln an die Hand geben und vor allem nach Kontaktpersonen fragen. Das sind dann auch Kolleginnen und Kollegen. Wenn der Arbeitgeber von einer Infektion erfährt, sollte er transparent damit umgehen, die betroffenen Kolleginnen und Kollegen werden vom Gesundheitsamt - sortiert nach Kategorien unmittelbar Betroffener und mittelbar Betroffener - ohne angesprochen. Es empfiehlt sich in diesem Fall, das Prozedere transparent mitzuteilen. Abgesehen von größeren Einheiten, bei denen der Kontakt des Mitarbeiters mit anderen Betriebsteilen ausgeschlossen sind, sprechen Gründe des Datenschutzes angesichts des Vorgehens der Gesundheitsämter und des Schutzes der betroffenen Personen nicht dagegen - das sollte im Einzelfall aber mit dem betrieblichen Datenschutzbeauftragten abgestimmt werden.

  • Produktionsmittel, die von mehreren Personen angefasst werden (wie vom Mischpult über Kaffeemaschine, Türklinken et cetera) sollte ein bis zweimal je Tag abgewischt werden. Es empfiehlt sich, das mit Seife zu machen, denn nicht alle Desinfektionsmittel sind für die üblichen Oberflächen geeignet, einige greifen die Oberfläche in einer Weise an, so dass diese hinterher hygienisch ein größeres Problem sein können als vor der Desinfektion.

  • Produktionsmittel wie Mikrofone, in die nah hinein gesprochen hat, bergen ein höheres Risiko. Diese zwischen den einzelnen Nutzungsvorgängen zu reinigen, wird empfohlen. Gegebenenfalls können Hersteller Informationen liefern, wie viel Feuchtigkeit oder Desinfektionsmittel ein Gerät verträgt. Gerade hier gilt, dass die Übertragung von Krankheitserregern sicher nicht nur auf SARS-CoV-2 beschränkt, sondern Hygiene auch in sonstigen Zeiten eine Rolle spielt.

  • Diskutiert wurden UV-Anlagen (UVC). Solche sollte man nicht in Räumen betreiben, in denen sich Personen aufhalten. Die Strahlenbelastung ist zu hoch. UVC-Brenner etwa in Klimaanlagen einzubauen, ist nicht zwingend erforderlich, denn (siehe oben) normgerechte Klimaanlagen sollten als Krankheitsüberträger ausscheiden; zudem dürfte die Zeit der Einwirkung der Strahlung auf Partikel, die sich im Luftstrom der Klimaanlage befinden, relativ kurz sein, so dass eine Wirkung nicht sicher nachweisbar ist.

Herr Dr. Uekötter steht für Fragen, die sich nach dem Webinar ergeben haben, zur Verfügung. Solche Fragen können per Mail an den Verband übermittelt werden, der sie weiterleitet.

Release 30. Juni 2020, 16:41 - OR