IRT

Gesellschafter ziehen sich Ende 2020 zurück

IRT auf den Medientagen in München

Institut für Rundfunktechnik droht das Aus.

30. Januar 2020

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München steht womöglich vor dem Aus, meldet epd medien. Alle Gesellschafter des IRT haben ihre Verträge zum Jahresende 2020 gekündigt, wie das öffentlich-rechtliche Tochterunternehmen am Donnerstag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bestätigte. Zunächst hatte der NDR darüber berichtet.

Das Institut wird derzeit noch von allen neun Landesrundfunkanstalten der ARD getragen, hinzu kommen ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle sowie die öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Österreich und der Schweiz, ORF und SRG. Bereits im Dezember war bekanntgeworden, dass das ZDF sich aus dem gemeinsamen Unternehmen zurückzieht und seinen Gesellschaftervertrag zum Jahresende 2020 gekündigt hatte. Zur Begründung hieß es unter anderem, der Bedarf nach dem rundfunkspezifischen Know-How des IRT sei beim ZDF gesunken.

Nach IRT-Angaben ist die Entscheidung des ZDF Auslöser für die Kündigungen der restlichen Anstalten: Die anderen Gesellschafter sähen sich nach dem Ausstieg des Mainzer Senders nach eigenen Angaben nicht in der Lage, die zusätzlichen finanziellen Belastungen von jährlich rund 2,5 Millionen Euro zu tragen, sagte der Sprecher des Instituts, Thomas Schierbaum, dem epd. Hinzu kämen die Risiken aus den Pensionsverpflichtungen, die die verbleibenden Gesellschafter übernehmen müssten. Das ZDF hält 9,3 Prozent an dem Institut, der Löwenanteil entfällt mit zusammen knapp 81 Prozent auf die ARD-Anstalten.

Die IRT-Geschäftsleitung arbeite nun gemeinsam mit den Anstalten an Lösungen, um die technische Expertise des Instituts zu sichern, erklärte Schierbaum. Dazu würden bald verschiedene Optionen beraten. Das Institut hat eigenen Angaben zufolge mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten davon Ingenieurinnen und Ingenieure. Die ARD-Pressestelle wollte sich am Donnerstag nicht zu den Kündigungen äußern und verwies auf die Zuständigkeit der einzelnen Rundfunkanstalten.

Das IRT war in den vergangenen Jahren mit Rechtsstreitigkeiten in die Schlagzeilen geraten: Die Forschungseinrichtung hatte ihrem früheren Patenanwalt vorgeworfen, sich über mehrere Jahre hinweg auf Kosten des Instituts bereichert zu haben. Dabei ging es um die MPEG-Technologie, die etwa bei MP3-Playern zum Einsatz kommt und vom IRT mitentwickelt wurde. 2018 hatte das IRT mit dem Patentanwalt einen Vergleich geschlossen, nach dem dieser 60 Millionen Euro an das Institut zahlen musste.

Das Institut wurde 1956 gegründet und forscht zur Weiterentwicklung von Medien- und Kommunikationstechnologien. Neben den Gesellschafterzuschüssen finanziert es sich über eigene Erträge etwa aus der Patentverwertung. In den vergangenen Jahren war bereits im Gespräch, das IRT in die Fraunhofer-Gesellschaft zu integrieren. Die Übernahme durch den Forschungsverbund sei aber vom Tisch, hatte das IRT im Geschäftsbericht für 2018 ausgeführt. Aus Sicht des Fraunhofer-Instituts hätten "strukturelle, inhaltliche und nicht zuletzt auch finanzielle Aspekte" gegen eine Übernahme gesprochen.

Release 30. Januar 2020, 17:49 - OR